Aristophanes

Die Ekklesiazusen
Frauen in der Volksversammlung (früher: Die Weibervolksversammlung)

aufgeführt 392 v.Chr. – Fest, Konkurrenten und Preisverteilung unbekannt

Inhalt

Frühmorgens stehlen die Frauen ihren Männern die Kleider und treffen sich insgeheim zu einer Generalprobe für die Volksversammlung [die den Männern vorbehalten war]. Die Wortführerin Praxagora ["Die in der Versammlung handelt"] geht noch einmal mit ihnen alles durch und probt ihre Rede:

Praxagora: Folgt meinem Rat, dann blüht euch wieder Glück!
Den Weibern, rat ich, müssen wir den Staat
Ganz überlassen! […] — Aristophanes: Ekklesiazusen 209ff. (Ü: Ludwig Seeger)

Während die Männer noch nach ihren Kleidern suchen und sich über das Verschwinden ihrer Frauen wundern, gelingt den Frauen der Putsch: Als Männer verkleidet stimmen sie dem Antrag der ebenfalls als Mann verkleideten Praxagora zu – Athen wird nun von den Frauen, statt den Männern regiert.

Eilig entledigen sich die Frauen ihrer Verkleidung, kehren nach Hause zurück und tun als ob sie von nichts wüssten. Das Zustandekommen des Umsturzes bleibt geheim. Doch nicht aus purem Übermut haben die Frauen die Herrschaft übernommen. Praxagora hat ein klares Konzept, wie all das Elend der Stadt beseitigt werden kann:

Praxagora: Hört: Alles wird künftig Gemeingut sein, und allen wird alles gehören,
Sich ernähren wird einer wie alle fortan, nicht Reiche mehr gibt es noch Arme,
Nicht besitzen wird der viele Morgen Lands und jener kein Plätzchen zum Grabe;
Nicht Sklaven in Meng wird halten der ein’ und der andre nicht einen Bedienten,
Nein, allen und jeden gemeinsam sei gleichmäßig in allem das Leben! — Aristophanes: Ekklesiazusen 590ff.

Der Gedanke wird konsequent durchgezogen. Auch die Frauen und Männer sollen "Allgemeingut" bzw. für alle "da" sein. Die Auswirkungen der sozial-politischen Revolution werden im 2. Teil der Komödie anhand von zwei Beispielen gezeigt:

Während der loyale Bürger Chremes all sein Hab und Gut aus dem Haus schaffen läßt, um sie der Allgemeinheit zuzuführen, versucht sein Nachbar, diese Verpflichtung möglichst weit hinaus zu schieben.

Mann: […] Oh, ich kenn sie [die Volksversammlung]! Schnell ist abgestimmt,
Doch kaum beschlossen, wirft man's wieder um! — Aristophanes: Ekklesiazusen 797f.

Er rechtfertigt seine Haltung mit diversen Beschlüssen der Volksversammlung aus der jüngeren Vergangenheit. Der wahre Grund wird deutlich, als er die Vorzüge der neuen Ordnung – in Form eines Gemeinschaftsessens – genießen will, obwohl er noch sein Privateigentum behalten hat.

Das zweite Beispiel ist ein Jüngling, der auf dem Weg zu seinem (jungen) Mädchen, in die Fänge alter, häßlicher Frauen gerät. Sie bestehen auf die Befolgung der neuen Gesetze, nach denen die Älteren und weniger Ansehnlichen zuerst zufriedenzustellen sind. So streiten sie, wer von ihnen die "Bedürftigste" ist.

Den Abschluss der Komödie bildet ein (traditioneller) Auszug mit Tanz.

Hintergrund

Die politischen Umstürze im Zuge der katastrophalen Niederlage Athens im Peloponnesischen Krieg und in den nicht minder turbulenten Folgejahren (siehe: Xenophon Hellenika), machten die Frage nach der "richtigen" Staatsform gewiss noch aktueller als sie ohnehin schon stets war.

Chremes: Was das Neue betrifft, da befürchte nur nichts! Von Regierungsmaximen erscheint uns
Nur die eine: "Das Neuste das Beste!" probat, und das Alte verachten wir gründlich! — Aristophanes: Ekklesiazusen 586f.

Die heute kommunistisch anmutenden Ideen waren (u.a.?) von Sokrates vertreten und von dessen Schüler Platon weiterentwickelt (oder nur schriftlich festgehalten) worden (vgl. Platon Der Staat).
Was Aristophanes tatsächlich von solchen Ideen gehalten hat, wird in dieser Komödie nicht ersichtlich. Seine Ironie ist auf das generelle politische Verhalten seiner Landsleute und einzelne Personen des öffentlichen Lebens gerichtet.

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