Aristophanes

Die Vögel

Aufgeführt an den Großen Dionysien 414 v.Chr.
2. Platz hinter Die Schwärmer des Ameipsias und vor Der Einsiedler des Phrynichos (3.Platz).

Inhalt

Die beiden Athener Peithetairos ("Ratefreund") und Euelpides ("Hoffegut") sind auf der Suche nach einem Ort, an dem sie in Ruhe leben können. Sie treffen auf den Vogelkönig Wiedehopf – kein anderer als der verwandelte König Tereus. Im Gespräch mit diesem entwickelt Ratefreund eine Idee, wie die Vögel ihren rechtmäßigen Platz in der Hierarchie zwischen Göttern und Menschen wiedererlangen, nämlich die Führung:

Peithetairos: Das erste ist, was ich euch rate: Eine Stadt muß erstehen für die Vögel.
Zum zweiten müßt ihr die Luft und den Raum zwischen Himmel und Erde mit Mauern
Aus Ziegeln umgürten, wie Babylon einst mit Mauern wurde versehen.«
[…]
Peithetairos: »Und steht diese Mauer, dann müßt ihr von Zeus zurück euch fordern die Herrschaft!
Und wenn er nicht dazu bereit sich zeigt und sich nicht eines Beßren besinnet,
Dann erklärt ihm selber den heiligen Krieg und verbietet sämtlichen Göttern,
Mit erhobener Rute durch euer Gebiet, wie sie früher getan, zu passieren, […]
Einen Vogel heiß ich auch ferner hinab zu den Menschen als Herold zu schicken,
Mit dem strikten Befehl, von jetzt an nur euch, den Vögeln, als Herrschern zu opfern.
Nach euch erst kommen die Götter dran […] — Aristophanes: Die Vögel 549ff. (Ü: Christian Voigt)

So wird die riesige Mauer gebaut und eine neue Vogelstadt "Wolkenkuckucksheim" (vgl. Lukianos Wahre Geschichte) auf halben Weg zwischen Himmel und Erde gegründet.

Peithetairos: Wie soll denn aber nun ihr Name sein?
Euelpides: Er sei genommen aus den Wolken und dem Reich der Lüfte, was Hochgestochenes.
Peithetairos: Na — Wolkenkuckucksheim?
Chorführer: Iuh, iuh! ’nen wunderschönen Namen hast du ausgedacht!— Aristophanes: Die Vögel 817ff.

Pünktlich zur Opferweihe für Wolkenkuckucksheim erscheinen jene Personen, die – zumindest nach eigener Meinung – unbedingt für Stadtgründungen notwendig sind: ein Bettelpoet, der der Stadt ein Lied widmen will, ein Wahrsager, ein Stadtplaner und ein Gesetzhändler. Ein jeder wird von Ratefreund durchschaut und vertrieben.

Die Menschen sind unschwer von den neuen Machtverhältnissen zu überzeugen, da sie den "Vögeln" (im Sinne von Vorzeichen, siehe unten) ohnehin längst höchste Bedeutung zumessen. Die Götter aber sind überrascht und empört.

Einmal mehr erweist sich Prometheus als Widersacher der Götter: Heimlich begibt er sich nach Wolkenkuckucksheim, um den Vögeln mit seinen Ratschlägen zum Sieg zu verhelfen. So drängt er Ratefreund, keinen Vertrag mit den Göttern abzuschließen, ehe er nicht Basileia von Zeus zur Gemahlin bekommen hat.

Peithetairos: Wer ist denn Basileia?
Prometheus: Ein wunderhübsches Kind,
Das ganz in seiner Obhut hat den Blitz des Zeus
Und einfach alles andre, so den guten Rat,
Gesetz und Recht, Besonnenheit, auch die Marine,
Verleumdungssachen, Staatsschatz und den Richtersold. — Aristophanes: Die Vögel, 1537ff.

Kurz darauf erscheint die von Prometheus angekündigte Gesandtschaft der Götter: Poseidon, (der sinnesfreudige) Herakles und Triballos (als Vertreter der barbarischen Götter).
Ratefreund hält sich an Prometheus’ Worte und kann die Abgesandten schließlich überreden, auf den Vorschlag einzugehen. So endet das Stück mit dem Hochzeitszug von Ratefreund und Basileia.

Hintergrund

Mit der Komödie Die Vögel nahm Aristophanes – neben tagespolitischen Seitenhieben – vorallem die Schwächen seiner Mitbürger aufs Korn, insbesondere die weitverbreitete Leichtgläubigkeit und die Manie, jede mehr oder weniger überraschende Geste oder jedes Geräusch als (göttliches) Vorzeichen zu deuten.

Chorführer: […] Denn die Vögel fragt ihr [das Publikum] erst um Rat, eh’ an eure Geschäfte ihr gehet,
Sei’s Handelsverkehr, sei’s Broterwerb oder sei’s eine Eheschließung.
Mit ›Vogel‹ bezeichnet ihr alles, was euch eine Weissagung ist für die Zukunft.
Ein bedeutendes Wort wird ›Vogel‹ genannt, niest einer, so nennt ihr das ›Vogel‹,
Begegnung ist ›Vogel‹ und ›Vogel‹ ein Ruf und ›Vogel‹ der Schrei eines Esels.
So ist’s doch wohl klar, daß wir Vögel euch sind der Orakelspender Apollon. — Aristophanes, Die Vögel 717ff.

Nicht weniger spöttisch urteilt Aristophanes auch über jene Berufsgruppen, die von diesem (übertriebenen) Hang zur Mantik profitierten: die Wahrsager. Diese reiht er in die kurze Liste der Abzocker, wie die Bettelpoeten, Gesetzeverkäufer u.ä. (vgl. z.B. auch die Bettelpriester in Apuleius Metamorphosen). Aber auch "moderne" Berufe – wie der des Geometer und Stadtplaners – zählt der entschiedene Gegner aller Neuerungen zu den erwerbsmäßigen Scharlatanen.

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