Aristophanes

Die Wespen

Aufgeführt am Lenäenfest 422 v.Chr.
2. Platz hinter dem Proagon des Aristophanes und vor Die Gesandten des Leukon (3.Platz). Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass Die Wespen sogar den 1.Preis gewannen.

Inhalt

Der ältere Herr mit dem selbstredenden Namen Philokleon ("Der Kleon liebt") ist ein eingefleischter Richter; für den Lohn von 3 Obolen (Kleon hatte den Richtersold von 2 auf 3 Obolen erhöht) lässt er sich so oft wie möglich als juristisches Machtinstrument des führenden Demagogen einspannen, fühlt sich wichtig und mächtig mit seinem Griffel (mit dem er sein Urteil abgibt = hier als "Wespenstachel" bezeichnet) – wie allzu zahlreiche andere seiner Altersgenossen und Mitbürger auch.

Sein Sohn Bdelykleon ("Der Kleon verabscheut") hat bereits alles Mögliche versucht, den Prozesssüchtigen zu heilen. Ihm bleibt nichts anderes übrig, als Philokleon mit Hilfe der beiden Sklaven mit Gewalt ins Haus zu sperren. Doch der Alte nutzt jedes Schlupfloch, jede Finte, um zu den Gerichten zu gelangen.

Sklave [mit einem Esel]: Bei Zeus, da hat ja einer sich heimlich unter seinem Bauch versteckt!
Bdelykleon: Wie? Wer? Laß sehn! – Da hängt er! – Was ist das? Wer bist du, Mensch?
Philokleon unterm Bauch des Esels hervor: Bei Zeus, ich bin der Niemand.
Bdelykleon: Niemand? – Woher?
Philokleon: Von Ithaka, der Sohn des Reißaus! — Aristophanes: Die Wespen 181ff. (Ü: Ludwig Seeger)

Dem Alten kommt der Chor, "Wespen" wie Philokleon, zu Hilfe. Nur mit größter Mühe kann Bdelykleon Philokleon im Haus behalten. Die Richter antworten auf sein Verhalten mit dem Vorwurf, er sei ein Freund der Spartaner, ein Verräter, "lüstern nach der Tyrannei".

Bdelykleon: Ja, das ist’s! Bei euch ist alles Tyrannei und Hochverrat!
Oh, das darf in keiner Klage fehlen, nicht der lumpigsten!
Und doch ward seit fünfzig Jahren nicht die Spur davon gesehen!
Jetzo steht das Ding im Preise höher als der feinste Fisch! — Aristophanes: Die Wespen 488ff.

Und seinem Vater wirft er vor, sich selbst zu bertügen und nicht zu merken, dass er selbst nur Werkzeug, ja Sklave anderer ist.

Philokleon: Sprich mir nicht von Sklaverei,
Mir dem Herrscher über alle! — Aristophanes: Die Wespen 518f.

Vor dem Chor inszenieren sie eine "Gerichtsverhandlung" zu diesem Thema, das den Streit endlich beenden soll.
Philokleon führt alle Annehmlichkeiten seines Amtes – ohne Rechenschaftsbericht! – an; vorallem auch das Ansehen, das er trotz seines Alters nun genießt. Aber Bdelykleon überzeugt ihn und den Chor, dass sie in Wahrheit für geringen Lohn den wahren Mächtigen zu Diensten sind.

Dennoch kann der Alte nicht vom Richten lassen. So überredet Bdelykleon ihn, doch im eigenen Haus seine Sitzungen abzuhalten – gegen Bezahlung. Als der Hund Labes einen sizilianischen Käse stielt, eröffnet Philokleon einen Prozess gegen ihn – eine Parodie auf den Prozess gegen den Feldherrn Laches, der nach seiner Ablöse auf Anstiften Kleons einen Rechenschaftsprozess über seine Tätigkeit in Sizilien durchzustehen hatte.
Doch zu seiner Enttäuschung muss er den Hund freisprechen:

Philokleon: Wie werd ich die Gewissensbisse tragen?
Weh, freigesprochen hab ich einen! Oh!
Wie wird mir's gehen? Verzeiht mir, heil’ge Götter!
Unwissend tat ich’s, meiner Art zuwider! — Aristophanes: Die Wespen 999ff.

Im letzten Teil der Komödie, versucht Bdelykleon dem Vater wieder "normale Manieren" beizubringen, da noch allzu oft "der Richter" aus ihm spricht.

Hintergrund

Wie schon in seiner Komödie Die Ritter aus dem Jahre 424 widmete sich Aristophanes hier einem innenpolitischen Thema Athens: Die Entwicklung der (Laien)Richterschaft, ursprünglich ein Symbol der Demokratie, hin zum Machtinstrument der radikalen Demokratie Athens im ausgehenden 5. Jahrhunderts v.Chr. und seinen Demagogen. (s.a.: Odysseus in der attischen Tragödie).

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2003 / 2014

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